Morgendliche Gedanken

In den vergangenen Wochen habe ich mich zumindest einmal am Tag gefragt, warum wir uns das alles antun. Dies geschieht etwa in Situationen, in denen Software Widerworte gibt und uns ins Gesicht spuckt und wir uns fragen auf welchen Drogen der Schöpfer dieses Softwareproduktes war. Gestern Abend hatte ich eine solche Situation mit Joomla. Etwas, das im englischsprachigen Bereich funktionierte, lief trotz identischer Einstellungen und Parameter im deutschsprachigen Teil nicht. Nachdem ich ein drittes Mal alle Einstellungen auf Richtigkeit kontrolliert, verglichen und gespeichert hatte, funktionierte es plötzlich…

Wir alle kennen diese Situationen, in denen der Zweifel an uns nagt, ob das, was wir tun, den Huddel rechtfertigt. Am Ende ist es nicht Geld das uns antreibt, es ist ein ambitioniertes Hobby; wir arbeiten für Fremde, die Community-Mitglieder werden könnten, manche sogar Freunde.

Heute Morgen fragte ich mich, wie schon David Byrne von den Talking Heads: How did i get here (Wie bin ich hierhergekommen)?

Was ich damit sagen möchte ist folgendes: Wie beginnen Dinge? Ich denke, es ist der erste Schritt der sehr wichtig ist. Entscheidungen zu treffen, die den Lauf des Lebens für einen Zeitraum oder für immer beeinflussen. Wie machen wir die ersten Schritte, um zu erfahren was hinter der geschlossenen Tür ist? Ich kann nur für mich antworten – jeder denkt anders – aber ich gehe solche Schritte auf eine emotionale Weise, mit Bauchgefühl sozusagen.

Ich erinnere mich dabei an die 2tägige Mini-Debconf im Jahr 2010 zurück, welche ich im Rahmen des LinuxTags in Berlin initiiert habe. Wir waren eine Gruppe von 6-8 Personen, die sich 14tägig im realen Leben traf um die Konferenz zu planen. Die Zeit war knapp und wir hatten kein Geld. Der Tag, an dem wir entscheiden mussten „ob oder ob nicht“ kam näher ohne das sich die finanziellen Mittel besserten. Mittlerweile war der Tenor innerhalb der Gruppe eher pessimistisch, sie hielt die Konferenz für nicht durchführbar und die Verantwortung als zu hoch. Mein Bauchgefühl war gut und ich glaubte weiter an die Realisierbarkeit. Die Entscheidung in der Gruppe fiel negativ aus und alle machten einen Rückzieher. Ich überschlief die Situation und kündigte am nächsten Morgen über die Mailingliste an, dass ich es selbst tun würde. Die Konferenz war ein Erfolg – benötigte Spenden kamen als sie gebraucht wurden, Unterstützer schlossen sich an und letztlich löste sich jedes Problem. Aber es erforderte diesen ersten Schritt.

Das Gleiche gilt für unser Unterfangen siduction, in welches wir uns verstrickt haben. Die Idee entstand in mehreren Köpfen gleichzeitig. Wir sprachen darüber, später sprachen wir offen darüber und dann kam dieser Schritt. Wir hatten ein Treffen, bei welchem wir entscheiden mussten, ob wir als Team, sozial und technisch, in der Lage wären die Aufgabe zu bewältigen und zum Erfolg zu führen. Wir entschieden uns, dass wir es können. Und hier sind wir nun und schimpfen darüber dass Software nicht das hält was sie verspricht.

Also, noch einmal: Warum investieren wir so viel Zeit und Mühe? Um unsere Ego‘s aufzubauen? Sicherlich. Um uns zu beweisen dass wir es können? Natürlich. Aber in erster Linie, lieber Leser tun wir es für DICH! Aber damit es letztlich funktioniert musst DU verstehen was siduction ist: eine Distribution im Aufbau, die wir Schritt für Schritt entwickeln, damit die Community wächst, sich vergrößert und partizipiert und uns und anderen etwas zurück gibt. Bitte, bitte, bitte, versteht es als solches und lasst es gedeihen. Das würde all das Blut, den Schweiß und die Tränen rechtfertigen.

frei übersetzt von Robert Ulatowski (Quidam77)
 

Weiterführende Links:

Debconf – was das ist

LinuxTag – Informationen zu LinuxTag 2012

 

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