OwnCloud als Alternative zu Dropbox und Co

Dropbox, Gdrive und der ganze Rest der Cloudhoster haben ein schönes Geschäftsmodell und es scheint für sie zu funktionieren. Auf der anderen Seite hatte Dropbox mehr als seinen gerechten Anteil an Sicherheitspannen und die Entwickler schienen dabei nicht immer auf der Herr der Dinge zu sein. Hinzu kommt beim Benutzen dieser Dienste, daß man private und sensitive Daten auf Server hochlädt, die (meistens) in den USA residieren. Das verursacht bei einigen von uns ein ungutes Gefühl.

Wie gewohnt gibt es eine Alternative für Linux: ownCloud wurde 2010 von KDE-Entwickler Frank Karlitschek gestartet und ist inzwischen bei der stabilen Version 4.07 angelangt, welche im Debian unstable Repository zu finden ist. OwnCloud ist in PHP und JavaScript geschrieben und benutzt eine {sqlite, mysql, postgresql}-Datenbank. Es gibt einen Webclient, der es für alle Plattformen inklusive Android und iPhone nutzbar macht. Außerdem gibt es eine Integration in den Desktop (wenigstens für KDE mit Dolphin) mit dem owncloud-client. Die Entwicklung von ownCloud war für meinen Geschmack gelegentlich ein wenig hastig, die Veröffentlichung von ownCloud 4 sicher ein wenig verfrüht. Jetzt, mit 4.04 in wheezy und 4.07 in sid dachte ich, ich gebe dem letzteren übers Wochenende mal eine faire Chance. Es gibt ebenfalls noch 4.5.x als git-Version für die ganz Tapferen. Da ich testen wollte, ob ich ownCloud in diesem Stadium für mich selbst produktiv nutzen kann, entschied ich mich für die 4.07.

Der V-Server, den ich für dieses Abenteuer benutze, läuft unter Wheezy. Also erweiterte ich die Quellen um sid und installierte owncloud und owncloud-sqlite von dort. Das Webinterface zu öffnen und etwas Konfiguration war eine Sache von Minuten. Alles, was manuell getan werden musste, waren einige Änderungen an /etc/php5/apache/php.ini. PHP hat als Voreinstellung ein Upload-Limit von 2MByte. Das muß geändert werden und ist gut dokumentiert, wie auch der Rest der ownCloud Features. Vergesst nicht, apache danach neu zu starten.

Auf meiner Arbeitsplattform zu Hause hatte ich ebenfalls 2 Quellen hinzuzufügen, um den owncloud-client hinzufügen zu können. Eine davon war einen Zeile für squeeze in meiner sid-Umgebung, was normalerweise keine gute Idee ist. Aber da es nur für libssl0.9.8 gebraucht wird, die gut mit libc6 aus sid zusammenarbeitet und keine anderen Abhängigkeiten hat, auf die man aufpassen müsste, ist das in diesem Fall so in Ordnung. Aber trotzdem: Kinder, macht das nicht zu Hause nach Smile. Die andere hinzugefügte Zeile war eine von Suse weil Debian den //owncloud-client// bis jetzt noch nicht ausliefert. Diese benötigte Zeile ist:

deb http://download.opensuse.org/repositories/isv:ownCloud:community/Debian_6.0/ /

Nachdem installieren der libssl0.9.8 explizit aus stable könnt ihr dann csync und owncloud-client installieren. Mit dem owncloud-client könnt ihr dann das Synchronisieren mit eurem Dateimanger einrichten (bisher nur mit Dolphin getestet).

Nachdem alles (upload, download,synching, sharing)  arbeitete, begann ich meine lokalen und Google-Kalender, sowie mein Adressbuch aus kontact, mittels akonadi und Webdav zu integrieren. Fünf Minuten später richtete ich ampache auf meinem Droid ein und ownCloud kann Musik aus der Wolke zu meinem Smartphone streamen. Amorok kann ebenfalls dazu überedet werden, Musik aus eurer Cloud zu streamen. All dies funktionierte innerhalb von Minuten ohne viel Mühe. Es gibt noch weitere Features, die ich noch nicht getestet habe, wie LDAP Integration.

Wie ihr wahrscheinlich bemerkt habt hatte ich eine Menge Spaß, mag ownCloud sehr gern und werde es produktiv anstatt Dropbox nutzen. Natürlich gibt es Raum für Verbesserungen in so einem jungen Projekt. Die Entwickler integrieren zu viel zu schnell und jetzt läuft der Bugtracker über. Probleme in die ich rannte waren ein langsamer Webclient der gelegentlich einfror (bisher nur mit Chromium getestet) und der owncloud-client, der falsche errors zeigte und so den sync blockte. Diese Dinge sind einfach zu umgehen, aber nichtsdestotrotz störend und werden hoffentlich bei 0.5 in Ordnung gebracht.

Meine Zusammenfassung: Die Bedürnisse an eure Cloud in die eigenen Hände zu nehmen ist gut investierte Zeit. OwnCloud wird hoffentlich noch einen langen Weg gehen.

Wenn dies euer Interesse geweckt hat, schaut euch mal die Features und Dokumentation an.

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